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Kreisversammlung in Mochenwangen

DRK-Kreisverband blickt auf Erfolgsjahr zurück - Katastrophenschutz ist Sorgenkind

Anlässlich seiner Jahresversammlung in Mochenwangen konnte der DRK-Kreisverband Ravensburg eine positive Bilanz des Jahres 2007 ziehen und dank  der Steigerungen in den bestehenden sowie durch die Erschließung neuer Geschäftsfelder auf beachtliche Erfolge verweisen. Zur zentralen Botschaft aber geriet der Appell an die Landesregierung, das mit großen Anstrengungen erreichte hohe Niveau des Katastrophenschutzes im Landkreis durch Einsparungen nicht wieder zunichte zu machen.

 

"Es kann doch nicht sein", begehrte die Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes, Silke Reitsam-Surbeck, in ihrem Rechenschaftsbericht unter dem Beifall der Versammelten auf, "dass das Land auf unserem Rücken spart." Sie nannte es beschämend, dass jede der Bereitschaften einen Großteil ihrer allesamt ehrenamtlichen Tätigkeiten der Erwirtschaftung von Geld widmet, nur um anderen helfen zu können, während politisch gewollte Mittelkürzungen die medizinische Grundversorgung im Falle einer Katastrophe in einem großen Flächenkreis wie Ravensburg zu schwächen drohten.

 

Auslöser der geäußerten Besorgnisse ist die Entscheidung des Bundes, sich aus dem flächendeckenden System des Zivil- und Katastrophenschutzes zurückzuziehen. Der Katastrophenschutz ist zur reinen Ländersache geworden, was für Baden-Württemberg eine Reduzierung von derzeit noch 152 auf 120 Einsatzeinheiten bedeuten soll. Rein rechnerisch müsste auch für den Landkreis Ravensburg eine von den bestehenden vier Einheiten entfallen, obwohl  gerade hier die Fahrzeuge ständig sich  - auch unterhalb der Katastrophenschwelle - im Einsatz befinden. Man sei es, so Frau Reitsam-Surbeck,  der Bevölkerung und nicht zuletzt den vielen ehrenamtlichen DRK-Helfern jedoch schuldig, dass der hohe Standard des Katastrophenschutzes im Landkreis erhalten bleibt.

In seinem Grußwort lobte Landrat Kurt Widmaier den "hervorragend funktionierenden" Rettungsdienst und auch die ehrenamtlichen Schnelleinsatzgruppen und Helfer vor Ort des DRK und bekannte, dass er in einem Brief an die Landesregierung gegen die mögliche Streichung einer Einsatzeinheit des Katastrophenschutzes protestiert habe. Das Land  gebe gerade mal eine Million Euro pro Jahr für den medizinischen Katastrophenschutz aus, was deutlich zu wenig sei. Und auch Hans Heinz, Landesgeschäftsführer und Landtagsabgeordneter der CDU sicherte in seinem Grußwort weitere Unterstützung bei den Bemühungen um eine positive Lösung zu.

 

Geriet der Katastrophenschutz aufgrund "äußerer Gefahr" ein wenig zum Wehrmutstropfen, so erfreute sich die Versammlung ansonsten stolzer Erfolge, die die über eintausend aktiven Rotkreuzler und knapp 13.300 Fördermitglieder im vergangenen Jahr erzielt haben. Betriebswirtschaftlich schlugen unter anderem eine Erhöhung des Eigenkapitals um rund 157.000 auf über 3 Mio. Euro, eine Verminderung der Verbindlichkeiten um mehr als 80.000 Euro und eine Steigerung der Erträge um rund 165.000 auf 2,454 Mio. Euro zu Buche, was dem DRK wieder ein gutes Jahresergebnis verschaffte. Das DRK im Kreisverband steht auf einer finanziell soliden Basis.

 

Den positiven finanziellen Ergebnissen standen 2007 eindrucksvolle Leistungen im Dienst an den Menschen zur Seite. So konnten die Zahlen der Erste-Hilfe- und anderen Kurse und der Teilnehmer gegenüber 2006 von 288 auf 339 bzw. von 4.332 auf 5.067 erhöht werden. Im Jahr 2007 wurden die DRK-Helfer vor Ort und die Schnelleinsatzgruppen zu 1.153 Einsätzen gerufen, was einem Durchschnitt von 3,15 Einsätzen pro Tag bzw. einem Einsatz alle siebeneinhalb Stunden entsprach. Das betreute Reisen für Senioren als Angebot im Rahmen der Altenhilfe hat sich weiter etabliert und älteren  Menschen unter anderem zu Busreisen nach Brixen und Bad Winsheim sowie zu Flugreisen nach Mallorca und Andalusien verholfen. Der Service "Essen auf Rädern" mit täglich über 130 Essen für meist alte Menschen bewegte sich im vergangenen Jahr wieder im Bereich schwarzer Zahlen. Und auch der Menüdienst in den Kindertageseinrichtungen konnte die Zahl der ausgelieferten Menüs steigern. Zum wichtigsten Bereich der Altenhilfe gestaltete sich der Hausnotruf, der sich trotz eines zweiten Anbieters bis Dezember 2007 des Zuspruchs von 529 Senioren im Durchschnittsalter von 84,2 Jahren erfreute. Wegen der gestiegenen Nachfrage nach Ganztagesplätzen für Kinder unter drei Jahren wurde 2007 mit Planungen für eine Kinderkrippe begonnen. Schließlich konnte noch für die Ravensburger Tafel in der Herrenstraße, in dem ehrenamtliche Mitarbeiter gespendete Lebensmittel zu günstigen Preisen verkaufen, ein neuer Laden gefunden werden. Dank der Spenden dreier Ravensburger, die aus Anlass ihres 40. Geburtstages 5.000 Euro spendeten, und mit Hilfe des Rotary-Clubs, der 2.000 Euro spendete, konnte die neue Ladeneinrichtung finanziert werden. Im April dieses Jahres bezog die Tafel – ebenfalls in der Herrenstraße - größere und schönere Räume. Der Markt gilt als Erfolgsmodell für ehrenamtliche Arbeit.

 

Die Stimmung im Saal konnte angesichts einer solchen strahlenden Bilanz besser nicht sein, als Silke Reitsam-Surbeck die Goldene Ehrenmedaille des DRK Kreisverbandes verlieh. Seit 1978 ist Christine Krug bei den Rotkreuzlern aktiv, und wie zu hören war, dachte sie bereits daran, ihre Mitarbeit demnächst zu beenden. Kreisvorsitzende Reitsam-Surbeck und Geschäftsführer Hubertus Diemer freilich verstanden es, in die herzlichen Glückwünsche und Worte des Dankes für ihre "enormen Leistungen" auch eine charmante ermutigende Hoffnung auf einen längeren Verbleib einzuflechten…

 

 

reitsam-surbeck rv 8922

 

Silke Reitsam-Surbeck, die Vorsitzende des DRK Kreisverbandes Ravensburg, ist recht zufrieden mit der Arbeit Ihres Kreisverbandes. Sorgenvoll betrachtet Sie die Entwicklung im Katastrophenschutz, wo eine von vier Einheiten im Kreis reduziert werden Soll. Unser Bild zeigt die Kreisvorsitzende vor einem Einsatzfahrzeug Baujahr 1982!